Reisetermin: 01.05. - 09.05.2026
Blogbeitrag und Fotos: Ursula Debera
Zwischen Orient und Zukunft: Baku entdecken
Baku vereint auf eindrucksvolle Weise orientalischen Charme und futuristische Visionen. In der historischen Altstadt, der Icherisheher, schlenderten wir durch verwinkelte Gassen, vorbei an jahrhundertealten Gebäuden und kleinen Boutiquen, die den Zauber vergangener Zeiten lebendig halten.
Im starken Kontrast dazu stehen die modernen architektonischen Highlights der Stadt. Die berühmten Flame Towers, die abends spektakulär illuminiert sind, prägen die Skyline Bakus und symbolisieren das „Land des Feuers“ auf eindrucksvolle Weise. Ein weiteres architektonisches Meisterwerk ist das Heydar Aliyev Centre, entworfen von der irakisch-britischen Stararchitektin Zaha Hadid. Die fließenden, geschwungenen Linien des Gebäudes gehen nahtlos in die Ausstellungsräume über und schaffen ein harmonisches Zusammenspiel von Architektur und Kunst.
Auch kulturell hat Baku viel zu bieten: Das Teppichmuseum, dessen Gebäude selbst die Form eines zusammengerollten Teppichs imitiert und von österreichischen Architekten gestaltet wurde, beeindruckt ebenso wie das Nationale Historische Museum, das einst ein prachtvolles Wohnhaus eines Ölmillionärs war.
Naturwunder am Kaspischen Meer
Ein unvergesslicher Tagesausflug führte uns entlang des Kaspischen Meeres zum Nationalpark Gobustan. Dort bestaunten wir die einzigartigen Schlammvulkane – blubbernde Krater, die eine fast surreal wirkende, mondähnliche Landschaft formen. Dieses außergewöhnliche Naturphänomen gehört zusammen mit den steinzeitlichen Felsmalereien (Petroglyphen) zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Ein weiteres Highlight ist der sogenannte „brennende Berg“ (Yanar Dag), an dem seit Jahrtausenden Erdgas aus dem Boden tritt und unaufhörlich brennt. Hier wird der Beiname „brennendes Land“ hautnah erlebbar. In der Nähe befindet sich ein historischer Tempel der Zoroastrier, gestaltet wie eine Karawanserei, in dem einst die ewige Flamme verehrt wurde – ein beeindruckendes Zeugnis einer alten religiösen Tradition.
Auf ins Landesinnere: Ganja und seine Geschichte
Nach diesen intensiven Eindrücken verließen wir Baku und reisten ins Landesinnere Richtung Ganja, der zweitgrößten Stadt des Landes. Die Stadt überzeugt mit einer angenehmen Mischung aus Mausoleen, Moscheen, orthodoxen Kirchen und sowjetischer Architektur. Ganja wirkt gepflegt, grün und einladend.
Hier besuchten wir auch das Mausoleum des berühmten Dichters Nizami, der im 12. Jahrhundert lebte und als einer der bedeutendsten romantischen Epikdichter der persischen Literatur gilt. Über Jahrhunderte hinweg war seine Grabstätte ein wichtiger Wallfahrtsort – und ist es bis heute geblieben.
Spuren deutscher Geschichte und Naturidylle
Auf dem Weg nach Sheki durchquerten wir den malerischen Goygol-Nationalpark und erfuhren mehr über die bewegte Geschichte von Helenendorf, einer ehemaligen deutschen Kolonie. Sie wurde 1819 von schwäbischen Auswanderern gegründet und entwickelte sich zur größten deutschen Siedlung im Kaukasus. Bekannt war sie vor allem für ihren Weinbau und ihr Handwerk.
Heute zeugen gut erhaltene Häuser, eine Kirche und die Straßenstruktur noch von diesem Erbe. Unter Stalin wurde die deutsche Bevölkerung jedoch deportiert, und die Stadt wurde in Chanlar umbenannt, um ihre Identität auszulöschen.
Sheki – ein Juwel an der Seidenstraße
Mit Sheki erreichten wir ein wahres Kleinod entlang der historischen Seidenstraße. Die Stadt strahlt noch den Geist eines alten Handelszentrums aus. Besonders beeindruckend sind die kunstvollen Glasarbeiten, die historische Karawanserei und vor allem der prachtvolle Palast des Shaki-Khans aus dem späten 18. Jahrhundert.
Der Palast gilt als Meisterwerk der Baukunst. Beeindruckend sind die detailreichen persischen Miniaturmalereien, kunstvoll gestalteten Fliesen und die einzigartigen „Shebeke“-Fenster. Diese traditionelle Technik ermöglicht die Herstellung von farbigen Glasfenstern völlig ohne Klebstoff oder Nägel – und erzeugt faszinierende Lichtspiele im Inneren des Gebäudes.
Ein Ausflug führte uns zudem nach Kish, einer der ältesten christlichen Stätten im Kaukasus. Die heutige Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert, doch der Legende nach geht der Ursprung auf das 1. Jahrhundert und den Apostel Thaddäus zurück. Den Tag rundeten wir mit einer abenteuerlichen Jeepfahrt zu einem Wasserfall ab.
Kulinarischer Abschluss und Rückkehr nach Baku
Am letzten Tag unserer Reise tauchten wir in die jahrtausendealte Weintradition Aserbaidschans ein. In einem staatlichen Weingut erhielten wir spannende Einblicke in die Produktion und verkosteten neben Wein auch lokale Spirituosen. Kulinarisch wurden wir dabei hervorragend verwöhnt – ein würdiger Abschluss unserer Reise.
Auf dem Rückweg nach Baku besichtigten wir noch das Yeddi-Gumbaz-Mausoleum („Sieben Kuppeln“), ein im 19. Jahrhundert errichtetes Denkmal für den lokalen Adel, das inmitten eines stimmungsvollen Friedhofs liegt.
Am Abend erreichten wir schließlich wieder Baku und genossen einen letzten Spaziergang durch die lebendige Stadt, bevor es zurück in die Heimat ging.
Aserbaidschan hat uns mit seiner Vielfalt, seiner Geschichte und vor allem mit seiner herzlichen Gastfreundschaft tief beeindruckt. Es ist ein Land voller Kontraste – zwischen Tradition und Moderne, zwischen Naturwundern und kulturellen Schätzen. Ein Reiseziel, das man nicht nur sehen, sondern mit allen Sinnen erleben und genießen sollte.





























