Reisetermin: Sonntag, 31.05.2026
Reisebericht: Daniela Haertel
Der Tag hatte verheißungsvoll begonnen. Als sich unsere Gruppe in Wien traf, strahlte die Sonne vom Himmel und ließ auf einen perfekten Ausflugstag hoffen. Gut gelaunt machten wir uns auf den Weg nach Krems, wo bereits der erste Höhepunkt auf uns wartete: die Fahrt mit der romantischen Wachaubahn entlang der Donau.
Gemächlich führte uns die Strecke durch die frühsommerliche Wachau bis nach Emmersdorf. Von dort aus spazierten wir nur wenige Minuten zum Donauhof, wo uns ein ausgezeichnetes Mittagessen erwartete. In gemütlicher Runde genossen wir die regionalen Köstlichkeiten und stärkten uns für den Besuch des Schlosses und seines zauberhaften Gartens.
Kurz bevor wir in den Bus stiegen, zeigte sich das Wetter erstmals von seiner launischen Seite. Ein leichter Regen setzte ein und begleitete uns auf der Fahrt. Doch manchmal scheint ein Ausflug unter einem besonders guten Stern zu stehen: Kaum hatten wir Schloss Artstetten erreicht, rissen die Wolken auf und schon wenig später begrüsste es uns strahlender Sonnenschein.
Schloss Artstetten thront hoch über dem Donautal und zählt zu den geschichtsträchtigsten Orten Niederösterreichs. Besonders eng verbunden ist es mit Erzherzog Franz Ferdinand, dem österreichisch-ungarischen Thronfolger, dessen Ermordung in Sarajevo im Jahr 1914 den Ausbruch des Ersten Weltkrieges auslöste. Gemeinsam mit seiner geliebten Ehefrau Sophie von Hohenberg, die ebenfalls bei diesem Anschlag starb, fand er hier seine letzte Ruhestätte. Bis heute befindet sich das Schloss im Besitz der Familie Hohenberg, der direkten Nachkommen des Thronfolgerpaares, die hier auch wohnen.
Leider musste die angekündigte Pferdevorführung des k.u.k. Dragonerregiments aufgrund des Regens abgesagt werden. Die Enttäuschung darüber war jedoch nicht allzu groß, denn stattdessen erwartete uns eine ausgesprochen informative Führung durch den schönsten Teil des rund fünf Hektar großen Natur-Schlosspark.
Unter mächtigen, teilweise jahrhundertealten Bäumen entfaltete sich ein wahres Blütenmeer. Über tausend Pfingstrosenpflanzen verwandelten die Anlage in ein farbenprächtiges Paradies. Die edlen Päonien, die oft mehrere Jahrzehnte alt werden können und in China seit Jahrhunderten als „Königinnen der Blumen“ verehrt werden, präsentierten sich in den unterschiedlichsten Formen und Farbnuancen. Die Pflanzen stammen zum Teil aus einer besonderen Tradition: Bereits um 1900 bestand ein enger Kontakt zwischen Erzherzog Franz Ferdinand und der Familie Praskac, deren Nachfahren bis heute die prachtvollen Pfingstrosen für Artstetten liefern.
Während unseres anschließenden schauspielerisch beeindruckenden Rundgangs durch das Schloss erfuhren wir auch manche Anekdote über Franz Ferdinand. Der oft als streng und verschlossen dargestellte Thronfolger war leidenschaftlicher Jäger und Naturfreund. Seine Jagdleidenschaft war legendär; auf seinen Reisen führte er akribisch Buch über jedes erlegte Wildtier. Gleichzeitig widmete er sich intensiv der Gestaltung seiner Gärten und Parkanlagen und ließ Artstetten nach seinen Vorstellungen weiterentwickeln. Viele Wege und Sichtachsen des heutigen Parks gehen noch auf seine Ideen zurück. Die Erzählungen spannten sich von den Habsburgern über das tragische Schicksal Franz Ferdinands und Sophies bis zu deren Nachfahren. Besonders eindrucksvoll war die Darstellung jener Jahre, in denen persönliche Begebenheiten und europäische Geschichte auf dramatische Weise miteinander verwoben waren.
Während ein Teil unserer Gruppe zeitgleich das Theater im Schlossgarten genoss, zeigte das Wetter noch einmal seine unberechenbare Seite. Wie aus dem Nichts zog ein kräftiges Gewitter auf und zwang die Darsteller zu einer Unterbrechung. Doch auch diesmal bewiesen wir gutes Timing: Fast trocken erreichten alle wieder den Bus, nachdem der Regen nachließ.
Auf der Heimfahrt waren sich schließlich alle einig: Das Wetter hatte zwar versucht, seine eigenen Akzente zu setzen, doch dem Zauber dieses Ausfluges konnte es nichts anhaben. Die Kombination aus Wachau, Donau, prachtvollen Pfingstrosen und vielen interessanten Geschichten hatte den Tag zu einem ganz besonderen Erlebnis gemacht – einem jener Ausflüge, die noch lange in Erinnerung bleiben.














