Provence zur Lavendelblüte

 

Reisetermin: 25. Juni - 2. Juli 2026

Reiseblog und Fotos: Daniela Haertel

Es gibt Reisen, die weit mehr sind als eine Aneinanderreihung von Sehenswürdigkeiten – sie berühren alle Sinne. Unsere durch die Haute Provence Ende Juni/Anfang Juli führte in eine Landschaft, die sich zur Zeit der Lavendelblüte von ihrer wohl schönsten Seite zeigt. Weite Ebenen leuchteten in zahllosen Blau- und Violetttönen, dazwischen strahlten goldgelbe Sonnenblumen, silbrig schimmernde Olivenhaine und der Duft von Lavendel, Thymian und Rosmarin begleitete uns auf Schritt und Tritt. Die hochsommerlichen Temperaturen näherten sich während der Woche immer wieder der 40-Grad-Marke. Deshalb wurde der Tagesablauf unkompliziert flexibel angepasst: Bei Spaziergängen ersparten die charmanten französischen Petit Trains längere Anstiege oder Wegstrecken, schattige Plätze luden zu kleinen Verschnaufpausen ein und zwischendurch sorgten ein kühles Getränk, ein Eis oder auch einmal das erfrischende Wasser eines Sees für angenehme Abkühlung. So konnten wir sämtliche Höhepunkte der Reise trotz brennender Sonne in entspannter Atmosphäre genießen.


Kunstgenuss zwischen Mittelalter und Moderne
Nach dem frühen Flug von Wien nach Nizza begann unsere Entdeckungsreise in Saint-Paul-de-Vence, einem der schönsten Künstlerorte Südfrankreichs. Hinter den historischen Mauern reiht sich eine Galerie an die nächste, Skulpturen schmücken Plätze und Innenhöfe, und an vielen Ecken spürt man bis heute den Geist großer Künstler wie Marc Chagall, Joan Miró oder Henri Matisse. Beim Spaziergang durch die verwinkelten Gassen eröffneten sich immer wieder reizvolle Ausblicke auf die umliegende Landschaft.
Anschließend ging es nach Vence, wo uns die von Henri Matisse entworfene Chapelle du Rosaire erwartete. Der Künstler gestaltete nahezu jedes Detail selbst – von den farbenprächtigen Glasfenstern über den Altar bis hin zu den liturgischen Gewändern. Das wechselnde Licht, das durch die leuchtenden Fenster fiel, verlieh dem schlichten Kirchenraum eine außergewöhnliche Atmosphäre und machte den Besuch zu einem ganz besonderen Erlebnis.
Am Nachmittag bezogen wir unser Hotel in Vence. Einige ließen den ersten Reisetag entspannt am Pool ausklingen.

Europas größter Canyon und türkisblaues Wasser 
Am zweiten Tag führte uns die Route in die spektakulären Gorges du Verdon. Bis zu 700 Meter tief hat sich der gleichnamige Fluss in das Kalkgestein eingeschnitten und eine der eindrucksvollsten Schluchten des Kontinents geschaffen. Entlang der Routes de Cretes boten sich immer neue Ausblicke auf die steilen Felswände und das intensiv türkis schimmernde Wasser.
Am Lac de Sainte-Croix konnte der eine oder andere der Sommerhitze mit einem Bad der Füße im angenehm kühlen Wasser trotzen, nachdem wir das zauberhafte Moustiers-Sainte-Marie besucht hatten. Mit dem Petit Train erkundeten wir zunächst den Ort, anschließend blieb ausreichend Zeit für einen Bummel durch die engen Gassen, vorbei an alten Steinhäusern, kleinen Keramikwerkstätten und gemütlichen Plätzen. Hoch über den Dächern und uns schimmerte der berühmte Stern, der seit Jahrhunderten zwischen zwei Felsen gespannt ist, im Andenken an den legendären Kreuzritter, der ihn als Dank für seine Rückkehr der Jungfrau Maria gewidmet hatte.
Unser Quartier für die kommenden Tage bezogen wir in Manosque. Das Hotel überzeugte nicht nur durch seine angenehme Lage, sondern vor allem durch das ausgesprochen freundliche junge Team und die hervorragende Küche, die jeden Tag für Vorfreude auf das gemeinsame Abendessen sorgte.

Zwischen Geschichte, Festungen und Klosterstille
Digne-les-Bains eröffnete den dritten Reisetag. Die Krypta der Kathedrale Notre-Dame du Bourg vermittelte eindrucksvoll die Entwicklung der Stadt in vergangener Zeit, der quirlige Markt das sommerlich provenzialische Leben.
Wenige Kilometer entfernt wartete mit der weltberühmten Ammonitenplatte ein außergewöhnliches Naturdenkmal auf uns. Über 1.500 Fossilien aus der Jurazeit können hier besichtigt werden.
Weiter ging es nach Sisteron, wo uns wieder ein Petit Train bequem hinauf zur mächtigen Zitadelle brachte. Von dort bot sich ein herrlicher Blick über die Stadt und das Tal der Durance. Die romanische Kathedrale Notre-Dame-des-Pommiers beeindruckte wiederum mit ihrer schlichten Eleganz.
Den stimmungsvollen Abschluss bildete das hoch über dem Tal gelegene Benediktinerkloster Ganagobie, dessen kunstvolle mittelalterliche Mosaiken zu den schönsten Frankreichs zählen.

Unterwegs auf der Route de la lavande
Der vierte Tag stand ganz im Zeichen jener Pflanze, die weltweit als Sinnbild der Provence gilt. Schon der erste Fotostopp ließ die Herzen höherschlagen: Ein einsam gelegenes Lavendelfeld breitete sich vor uns aus, eingerahmt von sanften Hügeln und strahlend blauem Himmel – ein Postkartenmotiv wie aus dem Bilderbuch.
Über Banon, Revest-du-Bion und Saint-Trinit erreichten wir Sault, das als Zentrum des Lavendelanbaus gilt. Neben der romanischen Kirche blieb Zeit für einen gemütlichen Bummel durch die kleinen Geschäfte, bevor wir in einer traditionellen Destillerie alles Wissenswerte über Anbau, Ernte und Destillation des Echten Lavendels erfuhren. Der intensive Duft der frisch verarbeiteten Blüten wird wohl allen lange in Erinnerung bleiben.
Zum Tagesabschluss erwartete uns Simiane-la-Rotonde mit seiner eindrucksvollen mittelalterlichen Burg, deren markante Rotunde dem Ort seinen Namen gab.

Klosterleben, Felsen und die Farben des Ockers
Zu den bekanntesten Ansichten der Provence gehört zweifellos die Zisterzienserabtei Notre-Dame de Sénanque, eingebettet in blühende Lavendelfelder. Das Kloster präsentierte sich von seiner prächtigsten Seite - wie wir es kennen, als eines der berühmtesten Fotomotive Südfrankreichs.
Nicht weniger reizvoll der kleine Ort Gordes, der sich terrassenförmig an einen steilen Felsen schmiegt. Das Renaissance-Schloss, verwinkelte Gassen und herrliche Aussichtspunkte verliehen ihm seinen besonderen Charme.
Anschließend tauchten wir in Roussillon in eine völlig andere Farbwelt ein. Die roten, orangefarbenen und goldenen Fassaden und Felsen verdanken ihre intensive Färbung den natürlichen Ockervorkommen, die bereits in der Antike zur Herstellung von Farbpigmenten genutzt wurden.

Provenzalische Lebensart
Ein ganz anderes Gesicht der Provence zeigte Aix-en-Provence bei unserem Rundgang. Elegante Boulevards, schattige Plätze, unzählige Brunnen und prachtvolle Bürgerhäuser, Kunst und Kultur an allen Ecken und ein buntes Markttreiben verleihen der Stadt eine besondere Leichtigkeit. Während der Rundfahrt mit dem Petit Train folgten wir den Spuren Paul Cézannes, dessen Lieblingsmotiv – der Montagne Sainte-Victoire – bis heute das Landschaftsbild prägt.
Die freie Zeit nutzte jeder auf seine Weise: Museumsbesuche, Einkaufsbummel, ein Café crème unter Platanen oder ein Aperitif auf einem sonnigen Platz gehörten gleichermaßen dazu.

Das Bilderbuch der Provence
Am Morgen flanierten wir durch das erwachende Manosque. Danach der krönende Abschluss unserer Rundreise - das Plateau de Valensole. Kaum irgendwo zeigt sich die Provence so, wie man sie aus Bildbänden kennt: scheinbar endlose Reihen blühenden Lavendels wechseln sich mit Sonnenblumenfeldern ab und bilden gemeinsam mit dem tiefblauen Himmel ein überwältigendes Farbenspiel.
Im Ort Valensole, einer Hochburg der Lavendelproduktion, fanden viele noch das passende Mitbringsel – ob Lavendelhonig, ätherisches Öl oder liebevoll gefertigte Duftsäckchen.
Bevor wir nach Manosque zurückkehrten, besuchten wir Riez mit seinen antiken Säulen und dem frühchristlichen Baptisterium – eindrucksvolle Zeugnisse einer über zweitausendjährigen Geschichte.

Au revoir, Provence!
Am letzten Tag blieb noch Zeit für einen Spaziergang durch die wunderschöne Altstadt von Nizza, bevor es am Abend zurück nach Wien ging.
Nicht unerwähnt bleiben darf unser Busfahrer Didier. Mit seiner ruhigen, souveränen Fahrweise meisterte er selbst engste Bergstraßen, kurvenreiche Panoramarouten und die spektakulären Passagen entlang der Verdonschlucht mit bewundernswerter Gelassenheit. Stets gut gelaunt, hilfsbereit und mit einem herzlichen Lächeln trug er maßgeblich dazu bei, dass wir uns während der gesamten Reise bestens aufgehoben fühlten. Was bleibt, sind Erinnerungen an den unverwechselbaren Duft der Provence, an weite Landschaften voller Farben, an geschichtsträchtige Klöster und mittelalterliche Dörfer, an herzliche Begegnungen und viele gemeinsame schöne Stunden.