Südtirol zur Apfel- und Weinernte

Albin Egger Lienz Museum

Schlosskapelle Schloss Bruck

Kloster Neustift bei Brixen

Brixen Kreuzgang

Brixen Hofburg

Seilbahn auf den Kronplatz

Panoramablick vom Kronplatz

Kronplatz

Franzensfeste

Schloss Goldrain

Terlan Kirchenschiff

Bozen Museum im Siegesdenkmal

Bozen Dom

Palazzo Nero

Mondo Melinda Apfelernte

Nontal Wallfahrtsort Unser Frau

Niederlana Schnatterpckaltar

Prissian Fahlburg

Prissian Wehrburg

Nals Bildungshaus Lichtenburg

Festung Kufstein

 

Reisetermin: 13.- 20.09.2026

Reiseleitung, Text und Fotos: Thomas Neunteufel

Pünktlich um 6 Uhr starteten wir in der Operngasse und kehrten zunächst beim Kirchenwirt in Maria Schutz am Semmering zu einer kurzen Frühstücks- und Gesundheitspause ein.
Auf der Fahrt durch die Steiermark, über den Neumarkter Sattel und das Zollfeld, vorbei an Klagenfurt und den Wörthersee, erreichten wir unser Mittagslokal, die „Taverna Arguntum“ bei dem Ausgrabungsstätten des römischen Lienz.
Wenige Kilometer davon entfernt liegt sehr hoch über Lienz das Schloss Bruck. Seinen Namen verdankt das Schloss der Brücke, die unterhalb der Hügelkuppe den Fluss quert. Vom Bergfried aus lässt sich beinahe der gesamte Lienzer Talkessel bis zur Landesgrenze einsehen. Dies war besonders in früherer Zeit für eine wehrfähige Anlage wichtig und diente der Verteidigung und Repräsentation.
Das Prunkstück der Burganlage ist die doppelgeschossige, romanische Schlosskapelle mit kostbaren gotischen Fresken von Simon von Taisten. Sie ist der erste Höhepunkt unseres Besichtigungsprogramms der bevorstehenden Woche. Heute beherbergt Schloss Bruck das Museum der Stadt Lienz mit der umfangreichen Sammlung von Werken des Osttiroler Expressionisten Albin Egger-Lienz. Nach der Burgbesichtigung ging es durch das Puster- und Eisacktal in unser Quartier, in die Lichtenburg nach Nals, wo wir gegen 18 Uhr nach einer Fahrt von fast 650 km ankamen und bereits das Abendessen auf uns wartete.

Am nächsten Tag setzten wir thematisch den Anreisetag fort und besichtigen weitere Höhepunkte des europäisch-mittelalterlichen Kunstschaffens: Das Kloster Neustift bei Brixen, 1142 vom Brixner Bischof Hartmann gegründet, war von Anfang an ein vielbesuchtes Hospiz und Raststätte für Pilger auf der Reise ins Heilige Land oder nach Rom. Zum Stift gehören neben dem Weingut auch die spätbarocke Stiftskirche, der um 1775 errichtete spätbarocke Bibliothekssaal, ein Elektrizitätswerk, ein historischer Klostergarten und ein der Engelsburg in Rom nachempfundener Bau, der für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt wird. Bei unserem Rundgang durch die Klosteranlage begegnete uns gleichsam 900 Jahre Bau- und Kunstgeschichte mit grandiosen mittelalterlichen Fresken und einem neugestalteten Stiftsmuseum.

Nach der Stiftsführung gab es neben einer Weinverkostung auch einen regionaltypischen Mittagsimbiss mit Südtiroler Spezialitäten, wie Speck, Käse, Kaminwurzen, Schüttelbrot u.v.m. Am Nachmittag ging es in die Bischofsstadt Brixen. Hier erwarten uns weitere Höhepunkte der Tiroler Kunstgeschichte. Wir besichtigten den Dombezirk mit dem grandiosen Kreuzgang, der fast völlig mit Fresken aus dem 15. Jahrhundert bedeckt ist. Die Johanneskapelle beim Kreuzgang dürfte schon beim ersten Münsterbau im 10. Jahrhundert entstanden sein und war Tauf- und bischöfliche Hofkapelle. Besonders bedeutend sind die romanischen Fresken aus dem 13. Jahrhundert. Der Brixner Dom ist einer der größte Sakralbauten Südtirols und Bischofskirche der Diözese Bozen-Brixen. Die Innenausstattung, insbesondere die Deckenfresken zählen zu den Hauptwerken des Barockmeisters Paul Troger. Ein Rundgang durch die Bischöfliche Hofburg schloss den heutigen Besichtigungstag ab.

Am dritten Tag erwartete uns etwas Besonderes – eine Fahrt mit der Seilbahn auf den Kronplatz zum höchstgelegenen Messner-Mountain-Museum. Das MMM Corones auf dem Gipfel des Kronplatz, auf 2.275 m Meereshöhe direkt neben der Bergstation der Seilbahn, war der Abschluss des Bergmuseum-Projekts von Reinhold Messner. Im letzten seiner sechs Museen geht es um das Bezwingen der großen Wände, um die Königsdisziplin des Alpinismus. Der Fels und das Leben der Bergsteiger sind die zentralen Themen, veranschaulicht anhand von einzigartigen Sammlungen, Gegenständen und Bildern, die Reinhold Messner in seinem Leben als Grenzgänger zusammengetragen hat. Die bauliche Umsetzung von Messners Ideen wurde der weltbekannten Architektin Zaha Hadid (+ 2016) anvertraut. Das Mittagessen genossen wir bei einer atemberaubenden Fernsicht und bald hieß es wieder, die Gondel zu besteigen, um zu unserem nächsten Besichtigungspunkt zu fahren.
Am Nachmittag besuchten wir die beeindruckende Anlage der Franzensfeste am Eingang zum Pustertal.
Die Franzensfeste wurde von 1833 bis 1838 unter Kaiser Ferdinand I. erbaut und nach Kaiser Franz I. von Österreich, dem Monarchen während der Planungsphase, benannt. Sie sollte die wichtige Verkehrsverbindung durch das Eisacktal über den Brenner nach Norden sichern. Das Bauwerk mit einem eigenen Militärbahnhof blieb jedoch unvollendet und wurde nie in kriegerische Ereignisse verwickelt. Es sollte ursprünglich mit 90 Geschützen bestückt werden und konnte im Kriegsfall eine Garnison von 1.000 Mann aufnehmen. In Friedenszeiten reichten bloß 70 Soldaten für den Betrieb.
Unser Rundgang durch die Festung führte auch durch die verwinkelten Gänge dieses Verteidigungsbollwerks.

Am vierten Tag hatten wir die seltene Gelegenheit eines der größten Schlösser des Vinschgaus zu besichtigen – Schloss Goldrain. Das Schloss war einst Stammsitz der Grafen Hendl. Vor allem um 1530 gestaltete die Familie Hendl ihre Residenzburg mit viertürmiger Umfassungsmauer in ein eindrucksvolles Baudenkmal der Renaissance um. Heute findet in ihren mittelalterlichen Mauern vielfältige Bildungs- und Kulturarbeit ihren Platz - Geschichte und Gegenwart reichen sich die Hand. Unter fachkundiger Führung erfuhren wir Wissenswertes über dieses Renaissanceschloss und über seine Geschichte – auch wurden uns die Prunkräume und die kleine Schlosskapelle geöffnet. Im Herzen des Martelltals, im Nationalpark Stilfserjoch, befindet sich das Nationalparkzentrum Culturamartell. – ein modernes, eindrucksvolles Zentrum, das die Identität, Geschichte und Traditionen dieses einzigartigen Südtiroler Tals lebendig macht. Unser Besuch war eine Reise ins Herz des Martelltals – geprägt von Stimmen, Geschichten und Landschaften. Hier verschmelzen Vergangenheit und Gegenwart zu einer lebendigen Erinnerungskultur.
Auf der Fahrt zu unserer Mittagseinkehr in Naturns kündigte sich eine gröbere Panne bei unserem Bus an. Der Umsicht unseres Fahrers Dragan ist es zu verdanken, dass er rechtzeitig einen undicht gewordenen Wasser- bzw. Ölschlauch als Ursache entdeckte. Mit etwas Bauchweh erreichte er den Parkplatz in Naturns, wo er uns zum Mittagessen entließ und er auf die Pannenhilfe aus Brixen wartete.
Nach der Mittagspause fuhren wir mit zwei kleinen Ersatzbussen weiter.
Nichts desto trotz fuhren wir in Richtung Meran nach Rabland zu einem einzigartig-interessanten Museum. In der Eisenbahnwelt erwartete uns ein faszinierendes Miniaturreich. Auf 1.000 m² sieht man detailreiche Nachbauten von Südtiroler Landschaften, von Gebäuden und Zügen. 800 Meter Gleise, 70 Züge, 400 Fahrzeuge, 12.000 Figuren und eine beeindruckende Tag-Nacht-Simulation lassen die Herzen (nicht nur) von Eisenbahnfans höherschlagen. Die Anlage zählt nicht nur zu den größten privaten Sammlungen Europas, sondern ist auch Italiens größte digitale Modelleisenbahnanlage.

Inzwischen war unser Bus wieder fahrtüchtig und so konnten wir am nächsten Tag unser angekündigtes Programm uneingeschränkt absolvieren. Dieser Tag stand vorerst ganz im Zeichen der Zeitgeschichte Südtirols. Wir begannen in der Landeshauptstadt Bozen mit der Dokumentationsausstellung in der Krypta des Siegesdenkmals. „Ein Denkmal, eine Stadt, zwei Diktaturen" - so lautet der Titel der Dauerausstellung im Untergeschoss des Siegesdenkmals. Der museale Parcours wurde 2014 eröffnet und erzählt nicht nur die Geschichte des Siegesdenkmals, sondern auch einen wichtigen Teil der jüngeren Bozner Stadtgeschichte zur Zeit des Faschismus. Wir hörten über die Zwischenkriegszeit, die Bozner Städteplanung der 1920er Jahre, die Italianisierungspolitik, die Katakomben-Schulen, die Option ab 1939 und die Zeit des Zweiten Weltkriegs mit dem NS-Lager in Bozen.
Nach der freien Mittagspause im Zentrum von Bozen rund um den Waltherplatz, widmeten wir uns am Nachmittag dem Bozner Domschatz und dem Bozner Dom. Die Domschatzkammer reicht bis ins Jahr 1275 zurück und ist bekannt als eines der umfangreichsten barocken Kircheninventarsammlungen im Tiroler Raum. Sie beherbergt wunderschöne Goldschmiedearbeiten des 18. Jahrhunderts, liturgische Gewänder und barocke Kunstwerke, darunter kostbare Fahnenbilder. Neben dem Museum erhebt sich der Bozner Dom, die erste gotische Hallenkirche der Architekturgeschichte. Ein Rundgang durch den Dom und ein Besuch im benachbarten Dominikanerkloster mit der beeindruckenden Johanneskapelle rundete unseren Besuch in der Landeshauptstadt von Südtirol ab.

Zwei interessante Orte, die die Region Trentino sehr gut charakterisieren, standen am nächsten Tag auf dem Programm – ein Schloss und eine Apfelgenossenschaft. Das Schloss Coredo geht auf das Jahr 1726 zurück und ist eine Gründung der Adelsfamilie Coreth.  Das vierstöckige Gebäude ist noch immer im Besitz der Grafen Coreth zu Coredo und Starkenberg. Im Inneren sind kostbare Einrichtungen eine Bildersammlung zu finden, die vorwiegend aus Porträts von Vorfahren und Vertretern der Familie Habsburg besteht. In Coredo besichtigten wir auch den Palazzo Nero, wo im Dachgeschoß Fresken aus dem 15. Jahrhundert freigelegt wurden. Dieses Gebäude war das Gerichtsgebäude, wo in der Zeit nach dem Konzil von Trient mehrere Frauen als Hexen verurteilt und schließlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Am Nachmittag besuchten wir Mondo Melinda, die „Apfelwelt von Val di Non“
Melinda ist ein Zusammenschluss von mehreren Genossenschaften aus hunderten Apfelbauernbetrieben des Nonstales. Durch die gut organisierte Zusammenarbeit hat Melinda es erreicht, die Qualität der Äpfel stets zu verbessern, was viele internationale Auszeichnungen dokumentieren.
Beim Rundgang durch Mondo Melinda lernten wir den Weg des Apfels kennen – von der Blüte über die Ernte bis zu Transport und Lagerung. 

Die Kulturlandschaft von Tisens und Prissian gilt mit ihren zahlreichen Burgen, Ansitzen und Naturkostbarkeiten bei Insidern als Geheimtipp. Auf die Besichtigung der Pfarrkirche von Tisens mit den schönsten Glasgemälden Tirols von 1520 und der spätgotischen Fresken in der benachbarten St. Michaelskapelle, folgte eine Burgenwanderung in Prissian, wo mit der Wehrburg, Katzenzungen und der Fahlburg gleich drei der schönsten Schlösser Südtirols versammelt sind. 
Die Fahlburg in Prissian zählt zu den schönsten Renaissanceschlössern Südtirols. Leider konnten wir die Burg nicht besichtigen, weil gerade eine große Hochzeitsgesellschaft die Räumlichkeiten gemietet hatte. Das Schloss Katzenzungen in Sichtweite der Fahlburg wird 1244 erstmals urkundlich unter dem Besitzer Henricus de Cazenzunge erwähnt. Vor dem Schloss gedeiht die größte und wahrscheinlich auch älteste Rebe der Welt. Die Weißweinrebe "Versoaln" ist mindestens 360 Jahre alt und ihr 320 m² großes Laubdach entspringt aus nur einem einzigen Wurzelstock.
Von der Wehrburg aus dem 13. Jahrhundert mit noblem Hotelbetrieb war leider nur der Innenhof zu besichtigen, jedoch auch dieser ist einen Besuch wert. Während des Tages begleitete uns der ehemalige Bürgermeister von Lana, Christoph Gufler. Er ermöglichte uns außer Programm die im Privatbesitz befindliche und der Öffentlichkeit nicht zugängliche Leonsburg hoch über Lana auch innen zu besichtigen.
Und eines darf bei einer Südtirolreise nie fehlen – ein Besuch der Pfarrkirche von Niederlana mit dem Schnatterpeckaltar, dem größten spätgotischen Flügelaltar zwischen München und Mailand.

Auf der Heimfahrt nach Wien machten wir noch einen Besichtigungsstopp in Kufstein. Die Festung Kufstein zählt zu den imposantesten mittelalterlichen Bauten Tirols. Der Rundgang durch die Anlage ermöglichte uns einen Blick in das Festungs- und Heimatmuseum und in den ehemaligen Gefängnisturm. Hier sind wichtige Kapitel der Geschichte Tirols dokumentiert, insbesondere das Zeitalter Kaiser Maximilians I., die Freiheitskämpfe unter Andreas Hofer und die Beziehung zwischen Tirol und Bayern. Eine Attraktion ist die größte Freiorgel der Welt, die Heldenorgel mit ihren 4.307 Pfeifen und 46 Registern. Das Orgelspiel, das an die Gefallenen beider Weltkriege erinnern soll, ist täglich um 12 Uhr in der ganzen Stadt zu hören. 

Nach dem Mittagessen traten wir die Heimfahrt nach Wien an. Mit vielen neuen Eindrücken erreichten wir gegen 20 Uhr den Ausgangspunkt in der Operngasse. 
Eine besichtigungsintensive Reise – bezeichnend für die Exkursionen von Thomas Neunteufel - in eine der schönsten Regionen des Alpenraums ging zu Ende. Vielen Dank an unseren Busfahrer Dragan, der trotz des Pannenzwischenfalls zur Wochenmitte stets die Ruhe und seinen Humor bewahrte.

Von 19. bis 26. September 2027 steht die nächste Südtirolreise unter der Leitung von Thomas Neunteufel geplant – natürlich wieder mit einem interessanten, abwechslungsreichen und vor allem reichhaltigen Besichtigungsprogramm.